Höriumzug 2025
Schienen im Ausnahmezustand

- Das Motto der Mooser Rettiche am Höriumzug war die Mundartversion von «Waschmaschine», «Wäsch- mer Schiene». So ließ beim Zunftmeisterempfang «Klementine» (alias Nici Eschbach rechts) den obersten Holzbirregüggel Martin Moser gründlich reinigen.
- Foto: Achim Holzmann
- hochgeladen von Anja Kurz
Öhningen-Schienen. Wenn sich in der sonst beschaulichen Ortschaft Schienen die Straßen mit bunt kostümierten Narren füllen, wenn das Gelächter lauter als die Kirchenglocken ist und wenn die Luft nach Bratwurst und einem Hauch von Wahnsinn riecht, dann ist es wieder so weit: Die Hörifastnacht erreicht ihren Höhepunkt! Auch in diesem Jahr war das große Highlight der legendäre Höriumzug.
Politische Einflüsse und närrische Wahlversprechen
Aufgrund der Bundestagswahl musste das diesjährige Fastnachtswochenende gestrafft werden – was wohl die einzige Wahl war, die an diesem Wochenende niemanden ernsthaft interessierte. Statt eines verlängerten Narrenmarathons gab es daher ein kompaktes, aber umso intensiveres Programm am vergangenen Freitag und Samstag. Gastgeber des närrischen Treibens war die Narrenzunft Holzbirregüggel Schienen, die mit ihrem Slogan „Schienen frei für den Höriumzug – bei uns fährt der Fastnachtsexpress!“ ordentlich Dampf machte. Und ja, es war die richtige Wahl, den Höriumzug in Schienen zu besuchen – ein Abstimmungsergebnis, das wohl mit 100 Prozent Zustimmung ausgefallen wäre, wenn es denn jemals zur Wahl gestanden hätte!
Höriumzug und neue Superlative (wenigstens fürs Narrenbuch)
Das Spektakel begann am Freitagabend mit dem traditionellen Stellen des Narrenbaums durch die Horner Holzer, ein Kraftakt, bei dem so mancher Holzfäller-Trupp vor Neid erblasst wäre. Doch damit nicht genug: Eigentlich wäre danach ein närrisches Kräftemessen mit einer Holzer-Olympiade in der Turnhalle vorgesehen gewesen. Doch die Gastgeber waren offensichtlich auf der Suche nach einer neuen Superlative. Kurzfristig wurde die Olympiade in den Sommer verlegt. Welche Disziplinen dann genau gemeistert werden müssen, bleibt wohl eines der bestgehüteten Fastnachtsgeheimnisse. Stattdessen gab es eine gigantische Narrenparty mit den Narrenmusiken Wangen und Horn und der «Truubehüter Guggenband» Bohlingen.
Der Samstag startete mit einer feierlichen Narrenmesse bei der der närrische Segen erteilt wurde. Möge dieser Segen auch für die nächsten Wochen halten – zumindest bis die letzten Konfettis aus den Hosentaschen entfernt sind. Anschließend wurden beim Zunftmeisterempfang die Zungen gelockert, was angesichts der mit Humor gespickten Darbietungen auch dringend notwendig war. Gastgebergeschenke wurden verteilt, wobei man munkelt, dass einige davon mehr Flüssigkeit als festen Aggregatzustand aufwiesen. Am Nachmittag schließlich schlängelte sich der Höriumzug durch die Straßen und durch die Menschenmengen. Angeführt von den Öhninger Piraten folgten die anderen Hörizünfte gemäß der Auslosung beim Dreikönigsfrühschoppen. Ein Spektakel sondergleichen nahm seinen Lauf. Bunte Hästräger, schaurig-schöne Masken, wackelnde Wagen und eine ausgelassene Stimmung sorgten dafür, dass auch die letzten Fastnachtsmuffel im Publikum den Ernst des Lebens für ein paar Stunden vergaßen.
Narrendorf im Ausnahmezustand
Nach dem Umzug verwandelte sich Schienen endgültig in eine Hochburg der Narretei. In den Festzelten wurde gefeiert als gäbe es keinen Morgen. Ob in den Besenwirtschaften oder auf den Straßen – überall begegnete man feiernden Gestalten, die den Geist der Fastnacht in vollen Zügen genossen. Fazit: Auch in diesem Jahr war es die richtige Wahl, sich in Schienen in das bunte Treiben zu stürzen. Und wenn eines sicher ist, dann das: Nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht – und der nächste Höriumzug kommt bestimmt.





Autor:Achim Holzmann aus Singen |
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