80 Jahre Auschwitz-Befreiung
Mit Bild, Buch und Film die Erinnerungen wachhalten

Mit einem vielfältigen Programm sollen viele verschiedene Menschen bei der Aktionswoche zu 80 Jahren seit der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz angesprochen werden. Die Beteiligten (von links): Benjamin Wieser (Hegau-Bibliothek), Friederike Gerland (städtische Bibliotheken), Cornelia Hentschel (Die Färbe), Hans-Peter Storz (MdL), Axel Huber (Historiker) | Foto: Anja Kurz
  • Mit einem vielfältigen Programm sollen viele verschiedene Menschen bei der Aktionswoche zu 80 Jahren seit der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz angesprochen werden. Die Beteiligten (von links): Benjamin Wieser (Hegau-Bibliothek), Friederike Gerland (städtische Bibliotheken), Cornelia Hentschel (Die Färbe), Hans-Peter Storz (MdL), Axel Huber (Historiker)
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Singen. Am 27. Januar 2025 jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers (KZ) Auschwitz zum 80. Mal. Damit offenbarten sich 1945 die dort verübten Verbrechen. Heute gibt es immer weniger Zeitzeugen des nationalsozialistischen Regimes Deutschlands, die aus erster Hand von ihren Erfahrungen berichten, sodass die Erinnerungen zu verblassen drohen. Das veranlasst die Singener Stolperstein-Initiative dazu, zwischen dem 24. Januar und dem 13. Februar in verschiedenen Aktionen und mit verschiedenen Partnern diese Erinnerungen, Erfahrungen und Bilder aufzuzeigen und im Gedächtnis der Menschen zu verankern.

Das Programm wurde nun kürzlich von Hans-Peter Storz, Sprecher der Initiative Stolperstein in Singen und SPD-Landtagsabgeordneter, sowie einigen Beteiligten vorgestellt.

Bild und Buch als Quelle

Über den kompletten Aktionszeitraum zwischen dem 24. Januar und dem 13. Februar wird in der Pausenhalle der Robert-Gerwig-Schule die Ausstellung "Auschwitz - A place on earth" zu sehen sein. Die ausgestellten Bilder gelten als "die einzige fotografische Quelle, die die unmenschlichen Praktiken bei der Ankunft und Selektion in Auschwitz dokumentiert", so der Flyer der Veranstaltungsreihe. Die Ausstellung ist öffentlich zugänglich und von Montag bis Freitag zwischen 8 Uhr und 17 Uhr geöffnet. Die Druckkosten der Bilder und der Flyer trägt laut Storz die Singener Kriminalprävention.

Ebenfalls in diesem Zeitraum ausgestellt wird ein breites Repertoire an Büchern und anderen Medien der Städtischen Bibliotheken und der Hegau-Bibliothek. Diese werden im Carifé im vorderen Bereich der Städtischen Bibliotheken zu finden sein und können auch ausgeliehen werden. Von Friederike Gerland, Leiterin der Städtischen Bibliotheken, erwähnt wurde die Reportage "Ich sah Hitler!" von Dorothy Thompson. Die Journalistin berichtet darin über ein Interview mit Adolf Hitler im Jahr 1931. "Man entdeckt einige Parallelen zu heute", betonte Gerland. Aus der Hegau-Bibliothek wird Leiter Benjamin Wieser einige Fachbücher für die Ausstellung auswählen.

Erfahrungen einer jüdischen Familie aus Singen

Am Tag der Auschwitz-Befreiung, dem 27. Januar, hält Historiker Axel Huber einen Vortrag über die jüdische Familie Guttmann. Diese lebte zur Zeit des Nazi-Regimes in Singen, erlebten dort die systematische Ausgrenzung der Juden, überlebten jedoch mit wenigen Ausnahmen durch Flucht nach Ecuador, Frankreich oder England. "Es wird ein sehr bildlicher Vortrag", berichtete Axel Huber, der aus Akten und aus Gesprächen mit den Nachfahren den Lebensweg der Familie nachzeichnen wird. Weitere Informationen gibt es per Mail an axel.huber@singen.de
Der Vortrag wird außerdem auch per Zoom übertragen, unter anderem, da die Nachfahren der Familie Guttmann diesen ebenfalls verfolgen möchten. Online können sich Interessenten über folgenden Link dazuschalten:
https://us02web.zoom.us/j/83611361070?pwd=6KXjuJjMiWZzizhN7EDRTSL62chD7t.1

Auch das kommunale Kino Weitwinkel beteiligt sich an der Aktion: Einerseits mit Schulvorführungen des Films "Wiedersehen mit Brundibar", am 28. Januar, der wegen hoher Nachfrage zusätzlich am 4. Februar gezeigt wird. Andererseits gibt es einen Filmabend am 28. Januar, bei dem drei Filme zum Thema Auschwitz gezeigt werden, "die auf ganz unterschiedliche Weise das Geschehen damals beleuchten", erläuterte Hans-Peter Storz. Bei "KL" und "Nacht und Nebel" handelt es sich um zwei Dokumentarfilme, bei "The Zone of Interest" um eine fiktive Erzählung, die Rudolf Höß und seiner Familie folgt. Sie wohnen direkt neben dem Konzentrationslager, das Höß leitet. Die Gesamtspielzeit beträgt etwa zwei Stunden und 20 Minuten. Beginn ist um 19 Uhr. Während die anderen Veranstaltungen kostenlos zu besuchen sind, kostet der Filmabend fünf Euro Eintritt.

Besuch bei einem Schwerverbrecher

Zur szenischen Lesung von "Bogner am 24.", einer fiktiven Geschichte des Autors Gerd Zahner, wird am 2. Februar in die Färbe-Spielstätte Basilika geladen. Wie die Färbe-Leiterin Cornelia Hentschel ankündigte, schlüpfen Elmar F. Kühling und seine Tochter Winona Kühling in die Rollen der Geschichte: Der SS-Funktionär Wilhelm Bogner, der laut Hentschel "zur damaligen Zeit sogar den Nazis zu gewalttätig und sadistisch war" und eine Besucherin, die als Sozialprojekt in einem Gefängnis an Heiligabend mit einem Gefangenen sprechen möchte. Die rund eine Stunde dauernde Lesung kann kostenlos besucht werden, doch wird um eine Spende für die beiden Schauspieler gebeten.

In dem Mediengespräch verdeutlichte Hans-Peter Storz die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen, "zumal wir in Deutschland wieder eine Zunahme an rechtsextremen Straftaten haben". Ziel der Aktionen sei daher, sich der Erinnerungen an die Nazi-Zeit zu stellen und die Menschen angesichts der Gefahren in der Gegenwart wachzurütteln. Zielgruppe, zum Beispiels mit der Ausstellung in der Robert-Gerwig-Schule und den Schulvorführungen im Weitwinkel-Kino, seien insbesondere junge Menschen, um diese mit dem Thema in Kontakt zu bringen und zu sensibilisieren, erklärte Storz.

Autor:

Anja Kurz aus Engen

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