Närrische Meilensteine zu 40 Jahre Fasnetsküchlefahrt
Narrenjob gegen den Rassistenmob
Bodman/Sipplingen (of). Seit 40 Jahren wird alle fünf Jahre der elf Menschen gedacht, die auf der Fahrt über den Bodensee im Jahr 1576 ertranken, als sie Fasnetküchle von Bodman nach Sipplingen heimbrachten. Das Unglück ist eine der ältesten Urkundlichen Erwähnungen der regionalen Fastnacht, auf deren Traditionswahrung sich unter anderem Narrenvereinigung Hegauf-Bodensee beruft, die ja inzwischen als Unesco-Weltkulturerbe geadelt wurde.
Zum 9. Mal machten sich die Narren auf den Weg über den See, doch jede Fahrt ist da ein einzigartiges Ereignis. In diesem Jahr sorgte dafür zum einen der Aarauer Zirkuspfarrer Adrian Bolzern, der seine Messe auf dem Schiff mit ganz schön deftigem Humor gewürzt hatte, der sogar manchem »alten Narrenschlachtross« noch die Schamesröte ins Gesicht trieb, wie Narrenpräsident Rainer Hespeler beim anschließenden närrischen Hock in der Sipplinger Halle schwärmte.
Ein närrischer Meilenstein war die diesjährige Fasnetküchlerede zum Unglück. Lothar Bottlang aus Langenrain, bekannt von der Konstanzer Fernsehfastnacht, nutzte hier seine Chance, um von Mutterbüeble zum Meister närrisch gewitzter Schelte zu erwachsen. Sein Blick auf das mit Narren gefüllte Boot kam zur Frage, ob es nicht überfüllt war, wie so manches Boot im Mittelmeer in diesen Tagen. Und die wirklich große Frage, ob da jetzt auch noch Witze drüber machen sollte? »Wir dürfen nicht, mir mont“, sagte Bottlang. Damit meinte er, die Witze die man über die machen muss, die Verantwortlich sind für die Flüchtlingsmiseren. »Das ist unser Job, gegen den ganzen Rassistenmob« - das war die närrische Botschaft dieses Tages, bei der Bottlang gleich auch noch das Wunder erklärte, wie aus »von der Sonne verschontem« Bodmaner Wein dank Klimawandel ein edles Tröpfchen werden konnte.
Dazu Bilder unter bilder.wochenblatt.net und ein Augenblicke-Video unter clips.wochenblatt.net
Autor:Oliver Fiedler aus Gottmadingen |
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