Radolfzell
Musikverein Böhringen macht »Aschenputtel« zum Meilenstein

Eine der vielen Finessen des Konzerts: Der Worblinger Ottokar Graf las die neuere Geschichte des Aschenputtels, die der Musikverein dann in ein spannendes Tonbild übersetzte. | Foto: Uwe Johnen
  • Eine der vielen Finessen des Konzerts: Der Worblinger Ottokar Graf las die neuere Geschichte des Aschenputtels, die der Musikverein dann in ein spannendes Tonbild übersetzte.
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Die Mühen und die harte Zeit der Vorbereitung hatten sich gelohnt. Am vergangenen Sonntag konnte der Musikverein Böhringen 1905 e. V. seine Uraufführung »Aschenputtel« im Radolfzeller Milchwerk feiern. Mit vollem Erfolg. Obwohl draußen erstmalig ein tolles warmes Frühlingswetter herrschte, war das Familienkonzert hervorragend besucht. So freute sich der erste Vorsitzende Peter Lingg bei seiner kurzen Begrüßung: »Zwei Dinge sind heute wunderbar«, sagte er. »Zum einen haben wir heute trotz Corona sehr viele Gäste und wir können heute unser Projekt ›Musikverein4Kids‹ mit einem Konzert erfolgreich abschließen.«

von Uwe Johnen

Im Rahmen des bundesweiten Programms »Neustart Amateurmusik« mit der Förderung des Bundesmusikverbands Chor & Orchester e. V. (BMCO) hatten sich über 1.100 Vereine darauf beworben und lediglich 108 Vereine erhielten den Zuschlag. Kein Wunder, dass die Böhringer auf ihren Musikverein stolz sein können, der immer wieder durch das außerordentliche Engagement des Dirigenten Marco Geigges für Furore sorgt.

Ziel des Projektes war es, durch die Lockdowns und zum Teil strengen Hygienemaßnahmen für alle wieder sichtbar zu werden. »Gerade bei diesem Stück möchten wir, dass die Kinder die Instrumente hören, sich dafür begeistern und letztendlich den Wunsch haben, auch solch ein Instrument spielen zu können«, berichtete der Vorsitzende im Vorfeld dem Wochenblatt.

Das Konzept schien aufzugehen. Marco Geigges hatte den Schweizer Komponisten Roman M. Silberer beauftragt, das Märchen »Aschenputtel« neu zu vertonen. Solche Märchen werden normalerweise für Symphonieorchester vertont. Die Herausforderung habe nun darin bestanden, das Stück für ein Blasmusikorchester zu arrangieren.

Die 66-köpfige Kapelle zeigte sich an diesem Nachmittag unfassbar spielfreudig und nahm die vielen Kinder, die zusammen mit ihren Eltern oder Großeltern im Milchwerk waren, mit in die Märchenwelt des Aschenputtels. Ottokar Graf saß hierzu am Bühnenrand in einem bequemen Ohrensessel, vor sich aufgeschlagen ein wirklich alt wirkendes Grimms-Märchenbuch, und las eine der jüngeren Ausgaben des Aschenputtels. In seinen Erzählpausen spielte das Orchester das Erzählte wunderbar nach. Die Kinder erlebten dabei alle Gefühlswelten, die ein Orchester ausdrücken kann. Beispielsweise, als die Vögel sich versammelten, um dem armen Aschenputtel beim Sortieren zu helfen, erklang das laute Gezwitscher eines ganzen Vogelschwarms. Wunderbare majestätische Klänge erklangen, wenn es um den Prinzen ging, beschwingte Walzerklänge für den Tanz, dann wieder ausgesprochene Bedrohlichkeit, um wieder in Fröhlichkeit zu wandeln. Kreativ war das Orchester allemal mit Peitschenklängen für die Kutsche oder Kettengerassel. Der Komponist hatte es sich zudem nicht nehmen lassen, die Stücke auf seiner Harfe mit zu begleiten und zauberte dadurch einen weiteren Mix an märchenhafter Magie in das Werk.

Die Kinder saßen bis zur letzten Minute der rund einstündigen Veranstaltung auf ihren Plätzen und starrten gebannt auf die große Bühne und lauschten fasziniert diesem Spektakel. Dem Orchester konnte man die Freude über das Stück ansehen, welches sicherlich für die Musikerinnen und Musiker herausfordernd war. Die Anwesenden erlebten ein Orchester, welches mit großer Hingabe und Freude seinem kreativen Dirigenten folgte und Freude daran hatte, Ungewöhnliches auszuprobieren.

Dieses Meisterstück hätte eigentlich im Dezember letzten Jahres gespielt werden sollen, musste dann aber aufgrund der aufflammenden Delta-Coronavariante verschoben werden. Doch um als Musikverein wieder sichtbar zu werden, hätte der jetzige Zeitpunkt vermutlich nicht besser sein können, denn jetzt ist der Zeitpunkt da, wo wieder gemeinsam musiziert werden kann.

Als Zugabe spielte das Orchester die wunderbare Melodie der »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel« von Karel Svoboda, welches sich als Abschiedsstück bestimmt bei dem einen oder anderen als Ohrwurm für den Nachhauseweg festgesetzt haben dürfte.

Mehr Bilder vom Konzert gibt es in unserer Galerie unter wochenblatt.link/asche (Wie bekommt man da nun einen QR Code hin)

Autor:

Oliver Fiedler aus Gottmadingen

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