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* Mittwoch, den 1. Oktober 2008

Schön wie Ötzi

Bodman: Die Jungsteinzeit meldet sich zurück

Bodman-Ludwigshafen (sw). Sie waren wie wir. Sahen aus wie wir. Liefen wie wir. Dachten teilweise wie wir. Die Menschen der Jungzeit von 3.900 bis 2.200 vor Christus lebten am Bodensee auch in Pfahlbauten. Und wie lebten sie? Mehr Aufschluss darüber sollen Funde geben, die vor Bodman entdeckt wurden. Maßnahmen zum Umbau des Uferbereichs stehen dort an, daher haben Taucharchäologen im See nach Spuren unserer Vorfahren gesucht. Etwa zwei Monate lang waren sie am Werk und wurden fündig, erklärt Dr. Helmut Schlichtherle. Er arbeitet bei der Arbeitsstelle Hemmenhofen des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, der Behörde, die die Tauchgänge in Auftrag gegeben hat. Bisher, so der Experte, waren Siedlungen auf der Höhe des "Linde"-Areals und im Westen von Bodman bekannt gewesen. Dazwischen war archäologisches Niemandsland. Eine "fundfreie" Zone. Denn die Suche war nicht überall systematisch durchgeführt worden, daher hatte es Lücken gegeben. Doch unter dem Druck der geplanten Baumaßnahmen im Hafenbereich wurde aufs Gas gedrückt. Mit Erfolg. Denn in dem noch fehlenden Zwischenstück konnte eine Besiedlung nachgewiesen werden: Gefäße, Holzgeräte, Steinpfeile und Pfeilspitzen wurden entdeckt. "Das ist schon toll. Es kommt nicht alle Tage vor, dass man Neues entdeckt", freut sich Helmut Schlichtherle. Auch Gegenstände aus neuen Siedlungsphasen kamen ans Tageslicht. Beispielsweise Dinge aus der Kultur der Schnurkeramik, jener Zeit von 2.800 bis 2.200 vor Christus am Ende der Jungsteinzeit. Eine Kultur, die sich vom mitteldeutschen Raum her ausgebreitet hat. Aus dieser Epoche waren Funde am Bodensee bisher spärlich gewesen. Durch ihre Lage auf oder unter dem Seeboden im feuchten Milieu wurden die vorgeschichtlichen Gegenstände bestens konserviert. "Das sind Erhaltungsmerkmale wie beim Ötzi." Oft werden bei Ausgrabungen laut Helmut Schlichtherle nur Erdschatten gefunden. Nun geht die Arbeit erst richtig los. Die Fundstücke werden in Hemmenhofen weiter untersucht, denn sie können ein runderes Bild vom Leben in der Steinzeit liefern. Die Gegenstände verraten viel über Siedlungsphasen, Baugeschichte oder Ernährungsgewohnheiten unserer Vorfahren. Seine Behörde möchte daher, so Helmut Schlichtherle, dass die Ergebnisse der Tauchgänge im Rahmen einer umfangreichen Dissertation ausgewertet werden. Viel Vorarbeit wurde bereits geleistet. Direkt vor Bodman befand sich in der Jungsteinzeit eine umfangreiche Pfahlbausiedlung, erklärt der Experte. Viele bedeutende Entdeckungen wurden im 19. Jahrhundert gemacht, die in Museen auf der ganzen Welt zu sehen sind. Die Objekte, Textilien oder auch botanischen Funde sind in einem gutem Zustand, aufschlussreich und großflächig. Allerdings wurde in Bodman, vor allem als der Anlegesteg ausgebaggert wurde, auch Vieles zerstört. Durch die Arbeiten, so der Experte, wurde außerdem der Erosion Vorschub geleistet. Aber nun ist den Archäologen ein großer Fang ins Netz gegangen.

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