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Mittwoch, den 27. August 2008
Wie im Fernsehen WOCHENBLATT-Mitarbeiter wehrt sich gegen mutmaßlic
Stockach (sw). Im Internet sah alles seriös aus. Die Firma mit Sitz in Luxemburg bot ihre Fotoapparate, Videokameras, TV-Geräte, Bücher oder Videospiele auf peppig aufgemachten Seiten mit seriösem Ambiente an. Da schlug WOCHENBLATT-Mitarbeiter Frank Struckat aus Stockach zu und bestellte sich für knapp 900 Euro eine Kamera. Das Geld überwies er, die Ware kam nicht. Ein Fall, der von dem Privatsender RTL aufgegriffen wurde. Frank Struckat wurde immer wütender. In E-Mails wurde er vertröstet. Die Ware sei nicht lieferbar, die Ware sei bald da, die Ware werde ihm in Kürze zugeschickt. Doch sie kam nicht. Da stornierte der 46-Jährige den Auftrag, die Rückzahlung seines Geldes wurde ihm versprochen. Doch auch das Geld kam nicht. In verschiedenen Internet-Foren machte er seinem Ärger Luft, warnte vor der Firma und fand deutliche Worte. So wurde ein Redakteur des Fernsehsenders auf ihn aufmerksam. Alexander Römer griff die Story auf, schrieb alle Betroffenen an, schnappte sich einen Geschädigten und fuhr mit ihm nach Luxemburg zum Hauptsitz der Firma. Mit versteckter Kamera filmte er den Auftritt des Opfers. Die Verantwortlichen zeigten sich geknickt und erstatteten dem Geschädigten seine Forderung ohne Umschweife. Der Erfolg machte den Journalisten mutig. In einem Internet-Forum versprach er Hilfe in Form einer weiteren Fahrt nach Luxemburg. Von den vielen Geschädigten waren aber nur sechs zu einer Fahrt ins Nachbarland bereit. Frank Struckat war unter ihnen. Mit seinem Privatauto fuhr er bis Trier, dort stieg er in den eigens gecharterten Bus, wurde vom zweiköpfigen Fernsehteam gefilmt und vom Redakteur befragt. Wie ist der Fall bei ihm abgelaufen? Welche Erfahrungen hat gemacht? Wie hat er reagiert? Frank Struckat stand Rede und Antwort. Seine Mitfahrer kamen aus allen Teilen Deutschlands - aus Leverkusen, Gelsenkirchen, Ludwigshafen. Sogar ein Mann, der sonst in Indien lebt, war mit dabei. Er hatte während seines Deutschlandurlaubs einen Laptop bei der Firma gekauft und war nun entsprechend sauer. Gegen Mittag traf der Bus dann in Luxemburg ein. Was folgte, sagt Frank Struckat, war "wie im Fernsehen". Die Bus-Crew stürmte in das Firmengebäude. Der Redakteur vorneweg, die Sechs hinterher, am Schluss das Kamerateam. Wie von Zauberhand schlossen sich alle Türen in dem Unternehmen. Es werde gleich jemand kommen, erklärte die Dame am Empfang. Ein Firmenbediensteter kam tatsächlich und sprach zunächst allein mit dem Redakteur. Der Journalist konnte dem Geschäftsführer des Unternehmens telefonisch das Versprechen abringen, dass alle Geschädigten ihr Geld zeitnah wieder erstattet bekämen. Nach dem Telefonat durften die Opfer dabei gefilmt werden, wie sie einem Mitarbeiter ihre Forderungen schriftlich übergaben. Der etwa sieben Minuten lange Beitrag darüber wurde in der TV-Mittagssendung "Punkt zwölf" ausgestrahlt. Frank Struckat war zum ersten Mal im Fernsehen. Eine neue Erfahrung, doch er rechnet auch nach: Anwaltskosten, Ausgaben für die Fahrt nach Trier, die Betrugsanzeige, die er gestellt hat, - das alles hat ihn Geld gekostet. Ob er dafür auch entschädigt wird? Eines aber ist sicher: Wenn die Summe nicht zeitnah auf seinem Konto ist, steht eine erneute Fahrt nach Luxemburg an.
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