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Der Weg zum neuen Rathaus Gailingen (of). Wenn alles gut geht, dann wird in Gailingen im Herbst 2004 ein neues Rathaus eingeweiht werden können. Wenn alles gut geht, dann wird dieses Rathaus unwesentlich mehr gekostet haben, als die veranschlagten 1,63 Millionen Euro und auch die avisierten Verkäufe von Baugrundstücken sind so eingetreten, dass die Gemeinde tatsächlich im günstigsten Falle nur einen Kredit von 200.000 Euro aufnehmen müsste. Denn auf Rücklagen kann die ebenso charmante wie hübsche Kämmerin Katja Reitebuch leider nicht zurückgreifen, sie wurden schon früher aufgebraucht. Spitz auf Knopf wurde hier in Gailingen kalkuliert. Man kann nur wünschen, dass das auch gut geht.
Eigentlich, so standen die Zeichen noch Anfang des Jahres, sollte das Gailinger Rathaus einer gründlichen Sanierung unterzogen werden. Doch Gailingens Bürgermeister Heinz Brennenstuhl, der im Frühjahr auch seine dritte Amtsperiode antreten durfte, ließ sich, obwohl er selbst Befürworter einer Sanierung war, eines besseren belehren. Ein Neubau würde unwesentlich mehr Kosten als eine Sanierung, und wäre glatter zu kalkulieren, denn das gäbe es sicher weniger Überraschungen als bei einer Sanierung. Kurzum: der Haushaltsplan beinhaltete den Startschuss in Richtung neues Rathaus und es gab auch schon einen Zeitplan, nachdem bereits in diesem Herbst mit dem Umzug in ein Provisorium sowie der Abriss des alten Rathauses sowie der Baubeginn des neuen Rathauses angesetzt wurden. Aber halt: anständigerweise mussten da vorher doch mal die Bürger ganz genau informiert werden. Im Oktober wurde die entsprechende Bürgerversammlung angesetzt in der Bürgermeister Brennenstuhl mit Architektin Margot Mannes und Ortsbaumeister Dieter Winkler zu allen Fragen Rede und Antwort standen. Doch Gailingen ist natürlich kein einfaches Pflaster wenn's um den Blick nach vorne geht. Und in eine Bürgerversammlung kommen nun mal eher die Bedenkenträger als die, die die sich denken »macht mal«. Ältere Gailinger waren einst in diesem Rathaus zur Schule gegangen und nun kam natürlich der Vergleich mit dem jüdischen Schulhaus. Das ist natürlich kein Rathaus, aber es wurde saniert - zum Bürgerhaus und jüdischen Dokumentationszentrum. Der Gailinger Gemeinderat beschloss im November grundsätzlich, dass ein neues Rathaus gebaut werden soll.
Die hartnäckigen Gegner um den Gailinger Heinz Rall formierten sich mit einer Unterschriftensammlung und machten Stimmung: mit den nicht gerade fairen Argument, dass sie Zuschüsse des Landes hier ordentlich am wackeln seien. Schon aus formalen Gründen, nämlich weil es in der kommunalen Gesetzgebung keine Bürgerentscheide für Rathäuser, sondern nur für öffentliche Einrichtungen wie Stadthallen gibt, musste der Gemeinderat den nach Angaben von Heinz Rall von rund 400 Unterschriften getragenen Antrag zum Bürgerentscheid ablehnen. Aber dadurch wurde auch das Gailinger Stimmungsbild deutlich. Das Baugesuch wurde ebenfalls im Dezember noch auf den Weg geschickt.
Nun ist die Perspektive klar: Heinz Brennenstuhl hofft, nach der Fastnacht das Gailinger Rathaus in das Bürgerhaus umziehen kann, wo für rund eineinhalb Jahre dann die Verwaltung provisorisch untergebracht wird. Bis Ende des Jahres 2003 könnte dann Richtfest gefeiert werden. Mit dem Umzug ins neue Rathaus könnte die Gemeinde Gailingen dann ihr Experiment Tourist-Information in den Räumen der neuen Sparkasse beenden und das Amt in einen Dienstleistungsbereich im Rathaus integrieren, damit verbunden die Mietkosten auch noch einsparen und ein Verwaltungsgebäude in Betrieb nehmen, dass auf die Bedürfnisse eines modernen Dienstleistungsrathauses so richtig zugeschnitten wäre . Und endlich auch Behinderten - von den Gailingen schließlich lebt - einen barrierefreien Zugang zum Rathaus erlaubt. Und dann würde das Rathaus für seine Bürger sogar samstags geöffnet, stellt sich Bürgermeister Heinz Brennenstuhl vor.
Dann hoffen wir, das alles klappt - der Gailinger Gemeinderat beweist damit seinen Wagemut: dass die Entscheidungen für den Rathausneubau wie für das Baugesuch nicht einstimmig fielen, garantiert der Öffentlichkeit, dass den Verantwortlichen ganz bestimmt genau auf die Finger geschaut wird. Oliver Fiedler

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