Jahresrückblick 1999
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* Mittwoch 29. Dezember 1999

Kunsthalle bleibt

Im Februar gab es erste Anzeichen: Zwischen der Ekkehard-und Freiheitstraße sollen Großprojekte in Singen entstehen. Wieder einmal sollte es der Kunsthalle an den Kragen gehen. Und das Gerücht besagte, die Familie Netzhammer stünde dahinter. Emil Netzhammer ließ auch im Freundeskreis keinen Zweifel daran, dass er mit den ganzen Spekulationen nichts zu tun habe. Wenn die Kunsthalle je einbezogen würde, werde er einem solchen Projekt auch kein Wegerecht vermachen! Die neue Stadthalle auf dem Dach zweier Supermärkte machte dennoch die Runde. Richtig ist, dass hier am beginnenden Ostteil der Ekkehardstraße / Freiheitstraße Sanierungsbedarf besteht. Immobilien wechselten hier mit Vorbehaltsklausel 1999 die Besitzer. Die Donaueschinger Investorengruppe Müller arbeitete fleißig am Projekt, hatte der Stadt auch die Finanzierung eines Gutachtens der GMA zugesagt, das im März kommen soll. Doch zwei Vorgänge »killten« das Unterfangen: Das Bauforum hatte im sommerlichen August zur Informationsveranstaltung in die »Gems« eingeladen, nachdem bisher nur der Ältestenrat informiert war. Die Stimmung war giftig. Die versammelten 120 Singener (es gab keine Luft mehr) wollten ihrer Kunsthalle nichts zu Leide tun lassen. Plötzlich liebten alle die Singener Guckkastenbühne, letztes Dokument Singener Zotzmann-Politik, die zum Scheitern der Stadthalle führte. Die Vertreter der Gemeinderatsfraktionen schwammen. Gerhard Rottler (CDU-Presseferent) hatte Informationen, die er gar nicht haben durfte. Die Volksseele tobte! Marion Czajor von der »Neuen Linie« hatte plötzlich ihr Wahlkampfthema. Die einzige Nicht-Fraktion war in keine Vorgespräche eingebunden, konnte sich Volkes Zorn uneingeschränkt anschließen. Dann kam OB Renner aus dem Urlaub heim. Er merkte am ersten Tag die Stimmung und ließ am zweiten Tag die Luft aus dem Unternehmen heraus: Die Kunsthalle bleibt, keine Stadthalle auf dem Dach. Die Bürgerversammlung wurde abgeblasen, still ist es bis heute geblieben. Die Kommunalwahl wurde gewonnen. Renner und Netzhammer schnitten glänzend ab. Der »Neuen Linie« half die Kunsthalle nun auch nicht mehr. Ein Thema war abgehakt, die Tränen um die Kunsthalle umsonst vergossen. Und dennoch geht es weiter. Das Areal wird überplant, der Bebauungsplan kommt, die Investoren sind schon da. Klar ist: Wer den ersten Ton sagt, hat schon verloren. Die Kunsthalle hat es gelehrt!

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