Jahresrückblick 1998
Singener Wochenblatt aktuelle Nachrichten aus der Region Die Woche im Print Online Archiv des Singener Wochenblattes Kleinanzeigen im Internet Die Region im Internet Veranstaltungen im Landkreis


Jahresrückblicke
1998
1999
2000
2001
2002
2003

Rubriken
Kultur
Politik
Regionales
Sport
Wirtschaft

Specials
Bildergalerie
Der Bunte Hund
Internet
Kleinanzeigen
Kochrezepte
Veranstaltungen
Zeiten


 

* Dienstag 29. Dezember 1998

Eine Generation Krisenmanagement

Gottmadingen (of). "Ich wußte das hier in Gottmadingen keine leichte Aufgabe auf mich wartet. Es kam aber noch schlimmer", gestand Bürgermeister Hans Jürgen Schuwerk ein, als ihn der Gemeinderat für seine 25jährige Amtszeit in Gottmadingen im November ehrte. Da ist was dran: Viele Jahre der Amtszeit Schuwerks in Gottmadingen sind von Krisenmanagement geprägt. Und das hörte gewiß nicht mit den großen Schlagzeilen wie der Schließung der Bilger-Brauerei oder dem schrittweisen Zusammenbruch von KHD im Landmaschinenbau auf. Auch 1998 war ein weiteres Jahr, wo neue Nachrichten auch neues Krisenmanagement erforderten. Oder wie war das, als plötzlich doch die norwegischen Flaggen beim KHD Nachfolger Greenland wehten sollten. Schon einmal war die Hochzeit mit Kverneland wieder abgeblasen worden, doch plötzlich ging alles innerhalb weniger Wochen über die Bühne. Und von dieser war der langjährige Garant für den Kampf um den Erhalt des Landmaschinenbaus in Gottmadingen, Wolfgang Szybowicz ganz schnell verschwunden. Kein öffentlicher Abschied, ein profanes Fax mit drei Sätzen landete in der Wochenblatt-Redaktion. Und Frode Underhaug aus Stavanger betrat diese, auch wenn man ihn nach der Pressevorstellung bis jetzt nicht mehr erblickte. Was würde der Mann bringen. Um den Standort wollte auch er kämpfen. Die Rückfrage in diesen Tagen erbrachte, daß das Kverneland-Werk Gottmadingen ab kommendem Jahr einige Mitarbeiter weniger haben wird. "Wir sind auf dem richtigen Weg"", betont Underhaug – Kostenminimierung stand erst mal im Vordergrund. "Das wird sich in Bilanzen erst für das Jahr 2000 auswirken, denn auch die Verringerung der Personaldecke kostet erst mal viel Geld." Doch den Standort sieht der Norweger vorerst als gesichert an. Und dann noch schwarze Wolken über Fahr-Bucher: Hier wird die Produktion der Spritzguß-Maschinen eingestellt, der Service-Bereich wird von Krauss-Maffei ab kommenden Jahr übernommen. Der Weltmarkt war stärker. Für Gottmadingen bedeutet das den Verlust weiterer 70 Arbeitsplätze, Sozialplan hin oder her. 500 Arbeitsplätze gibt es inzwischen im Industriepark Gottmadingen, der mit 125 Unternehmen nun das vierte Gewerbehaus begonnen hat. Auch nach sieben Jahren bleibt es ein Hoffnungsschimmer an dem hart gearbeitet werden muß. Daß nun einige Arbeitsplätze aus Singen von Alusuisse für Stoßfängerproduktion in den "Park" herüberwandern mag für Gottmadingen tröstlich sein, die Bilanz der Region ändert sich dadurch nicht. IPG-Chef Bernhard Gersbacher hat die Geduld eines Anglers. Daß die Gemeinde in diesem harten Jahr endlich die seit über 20 Jahren gewünschte dreiteilige Sporthalle bauen konnte, kann sie der unverwüstlichen Hartnäckigkeit des Sporthallen-Fördervereins und letztlich einer großen Erbschaft verdanken, die das Wagnis einer Sechs-Millionen-Investition möglich machten. Doch für den Unterhalt braucht es den Sporthallen-Förderverein in neuer Form weiter. Die Vereine müssen ihren Tribut zollen, damit der Sport in Gottmadingen Chancen bieten kann. Mühsam war auch der Weg Gottmadingens zum neuen Baugebiet "Täschen", das die weitere Entwicklung sichert. Taktisch mußte die Absicht zu einem anderen Baugebiet durch den Gemeinderat angedroht werden, im Sachen Geld siegten doch die Grundstückseigentümer. Doch bald können die Bagger für die Erschließung anrücken. In einem Jahr werden die ersten Häuser gebaut werden können. Wahrscheinlich auch in kostengünstiger Bauweise. Bei solch einem Berg an Krisenmanagement scheint es fast verständlich, daß der dringendst notwendige Kindergarten für die Kerngemeinde auf den allerletzten Drücker nun gebaut wird. Erst im Herbst konnte ein lokaler Architektenwettbewerb die Weichen stellen. Und auch bei der Halle in Bietingen schleppten sich die Entscheidungsfortschritte bis zum Herbst hin. Doch die gefundene Lösung vermag die Bietinger Vereine drüber hinwegtrösten, daß ihre Planungen durch die Verzögerungen mächtig durcheinandergebracht wurden: Es ist die Halle, die Bietingen die Chancen bietet. Ab Fastnacht wird gebaut.

Zurück

Mediadaten des Singener Wochenblattes Verteilgebiete des Singener Wochenblattes Kontakt zum Singener Wochenblatt
© Singener Wochenblatt GmbH + Co. und HJF Kontakt 2001
Kontakt:
verlag@wochenblatt.net, Hadwigstraße 2a, 78224 Singen
Telefon: 07731/8800-0, Telefax: 07731/8800-36