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Eine
Generation Krisenmanagement
Gottmadingen
(of). "Ich wußte das
hier in Gottmadingen keine leichte Aufgabe auf mich wartet. Es
kam aber noch schlimmer", gestand Bürgermeister Hans
Jürgen Schuwerk ein, als ihn der Gemeinderat für seine
25jährige Amtszeit in Gottmadingen im November ehrte. Da
ist was dran: Viele Jahre der Amtszeit Schuwerks in Gottmadingen
sind von Krisenmanagement geprägt. Und das hörte gewiß
nicht mit den großen Schlagzeilen wie der Schließung
der Bilger-Brauerei oder dem schrittweisen Zusammenbruch von KHD
im Landmaschinenbau auf. Auch 1998 war ein weiteres Jahr, wo neue
Nachrichten auch neues Krisenmanagement erforderten. Oder wie
war das, als plötzlich doch die norwegischen Flaggen beim
KHD Nachfolger Greenland wehten sollten. Schon einmal war die
Hochzeit mit Kverneland wieder abgeblasen worden, doch plötzlich
ging alles innerhalb weniger Wochen über die Bühne.
Und von dieser war der langjährige Garant für den Kampf
um den Erhalt des Landmaschinenbaus in Gottmadingen, Wolfgang
Szybowicz ganz schnell verschwunden. Kein öffentlicher Abschied,
ein profanes Fax mit drei Sätzen landete in der Wochenblatt-Redaktion.
Und Frode Underhaug aus Stavanger betrat diese, auch wenn man
ihn nach der Pressevorstellung bis jetzt nicht mehr erblickte.
Was würde der Mann bringen. Um den Standort wollte auch er
kämpfen. Die Rückfrage in diesen Tagen erbrachte, daß
das Kverneland-Werk Gottmadingen ab kommendem Jahr einige Mitarbeiter
weniger haben wird. "Wir sind auf dem richtigen Weg"",
betont Underhaug Kostenminimierung stand erst mal im Vordergrund.
"Das wird sich in Bilanzen erst für das Jahr 2000 auswirken,
denn auch die Verringerung der Personaldecke kostet erst mal viel
Geld." Doch den Standort sieht der Norweger vorerst als gesichert
an. Und dann noch schwarze Wolken über Fahr-Bucher: Hier
wird die Produktion der Spritzguß-Maschinen eingestellt,
der Service-Bereich wird von Krauss-Maffei ab kommenden Jahr übernommen.
Der Weltmarkt war stärker. Für Gottmadingen bedeutet
das den Verlust weiterer 70 Arbeitsplätze, Sozialplan hin
oder her. 500 Arbeitsplätze gibt es inzwischen im Industriepark
Gottmadingen, der mit 125 Unternehmen nun das vierte Gewerbehaus
begonnen hat. Auch nach sieben Jahren bleibt es ein Hoffnungsschimmer
an dem hart gearbeitet werden muß. Daß nun einige
Arbeitsplätze aus Singen von Alusuisse für Stoßfängerproduktion
in den "Park" herüberwandern mag für Gottmadingen
tröstlich sein, die Bilanz der Region ändert sich dadurch
nicht. IPG-Chef Bernhard Gersbacher hat die Geduld eines Anglers.
Daß die Gemeinde in diesem harten Jahr endlich die seit
über 20 Jahren gewünschte dreiteilige Sporthalle bauen
konnte, kann sie der unverwüstlichen Hartnäckigkeit
des Sporthallen-Fördervereins und letztlich einer großen
Erbschaft verdanken, die das Wagnis einer Sechs-Millionen-Investition
möglich machten. Doch für den Unterhalt braucht es den
Sporthallen-Förderverein in neuer Form weiter. Die Vereine
müssen ihren Tribut zollen, damit der Sport in Gottmadingen
Chancen bieten kann. Mühsam war auch der Weg Gottmadingens
zum neuen Baugebiet "Täschen", das die weitere
Entwicklung sichert. Taktisch mußte die Absicht zu einem
anderen Baugebiet durch den Gemeinderat angedroht werden, im Sachen
Geld siegten doch die Grundstückseigentümer. Doch bald
können die Bagger für die Erschließung anrücken.
In einem Jahr werden die ersten Häuser gebaut werden können.
Wahrscheinlich auch in kostengünstiger Bauweise. Bei solch
einem Berg an Krisenmanagement scheint es fast verständlich,
daß der dringendst notwendige Kindergarten für die
Kerngemeinde auf den allerletzten Drücker nun gebaut wird.
Erst im Herbst konnte ein lokaler Architektenwettbewerb die Weichen
stellen. Und auch bei der Halle in Bietingen schleppten sich die
Entscheidungsfortschritte bis zum Herbst hin. Doch die gefundene
Lösung vermag die Bietinger Vereine drüber hinwegtrösten,
daß ihre Planungen durch die Verzögerungen mächtig
durcheinandergebracht wurden: Es ist die Halle, die Bietingen
die Chancen bietet. Ab Fastnacht wird gebaut.

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