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* Mittwoch, den 3. September 2008

Ein badischer Garten als Lebenstraum

Besuch auf Hofgut Dauenberg bei Dr. Christoph Graf

 Es gibt Menschen, die in der Lage sind, ihr Paradies auf die Erde zu holen. Zu ihnen gehört Dr. Christoph Graf Douglas. Er war acht Jahre lang Direktor des Auktionshauses Sotheby's Deutschland und gilt heute als einer der renommiertesten Kunstexperten Deutschlands. Graf Douglas ist auf Schloss Langenstein geboren und lebt seit einigen Jahren auf Hofgut Dauenberg bei Eigeltingen. Vor wenigen Wochen haben seine Gattin und er den "l;Europäischen Gartenkultur-Schöpfungspreis für den Landschaftspark rund um ihr Domizil im Hegau erhalten. Vor cirka 13 Jahren standen dort nur drei Bäume, Graf Douglas und seine Gartenarchitektin pflanzten rund 1600 Bäume und Sträucher neu. "l;Für mich war immer klar, dass ich zurückkehren würde. Ich hatte unglaubliche Sehnsucht"l;, erzählt der Graf. Er erfüllte sich damit einen Lebenstraum - nach langen Jahren in Freiburg, wo er Kunstgeschichte, Geschichte und Volkskunde studierte, und vielen Reisen, einen Landsitz in der Heimat, der alles vereint, was den Reiz dieser Landschaft ausmacht: Satte Wiesen, Mischwälder, kleine Teiche und Bäche, leuchtende Bauernblumen und Obstbäume."l;Ich wollte keinen italienischen, französischen, englischen oder japanischen Garten, sondern etwas ganz Neues schaffen, nämlich einen verträumten, badischen Garten"l;, bekräftigt er. Da haben Olivenbäume und mediterrane Gewächse freilich nichts zu suchen. "l;Der Baum Badens ist der Apfelbaum"l; lautet die klare Ansage. Mit Apfelbäumen ließ er deshalb gleich einen ganzen Hain anlegen, daneben finden sich Birnbäume und andere Obstbäume, dazwischen Nussbäume, Buchen, Weiden und Linden. Vieles auf dem Dauenberg, so könnte meint man meinen, stammt aus alter Zeit: der kleine Weiler mit der Kapelle, dem repräsentativen Bau mit seinen für das 17. Jahrhundert typischen Stufengiebeln und dem blassroten Wohnhaus mit blauen Fensterläden, die Umfriedungsmauer mit dem kleinen Aussichtspavillon und der weitläufige Innengarten mit seinen eleganten Buchshecken. Doch weit gefehlt. "l;Es gab ein Wohnhaus, einen 300 Jahre alten Schweinestall mit winzigen Fenstern, außerdem eine Scheuer und drei alte Bäume"l;, veranschaulicht der Graf anhand alter Ansichten in einem Fotoalbum. Der Rest des heruntergekommenen alten Pachthofes seines Großvaters war Brache"l;. Aber auch eine Herausforderung für den Grafen als Kunsthistoriker und die Gräfin als Innenarchitektin:. Aus dem Schweinestall wurde eine Bibliothek mit hohen Fenstern, das Wohnhaus bekam die Gestalt eines historischen, vornehmen Landhauses, ein Gästehaus kam dazu und die Scheuer, heute mit Brennerei und Steinofen zum Brotbacken, wurde renoviert. Ausschließlich Dielen und Balken aus dem 18. Jahrhundert, historische Ziegel und andere Baumaterialien aus alter Zeit wurden verwendet. Übrigens waren heimische Handwerker mit dem Umbau beauftragt. Die kleine Kapelle mit dem Zwiebelturm am Ende der Lindenallee, die zum Gut führt, ist erst vor kurzem fertig geworden. "l;Ich habe sie aus Dankbarkeit gebaut"l;, schildert der Graf seine Beweggründe. "l;Den wenigsten ist bewusst, dass wir seit 500 Jahren die erste Generation sind, die 60 Jahre alt wird und keinen Krieg miterleben musste. Dankbar bin auch, dass ich eine sehr glückliche Kindheit erleben durfte und dafür dass ich fünf gesunde Kinder habe."l; Die Orgel ist ein Geschenk seiner Frau und Handarbeit aus dem Schwarzwald. Wer viel von der Welt gesehen hat, der bringt auch Ideen aus anderen Ländern nach Hause. So ist vor kurzem der türkische Pavillon entstanden, in dem Graf Douglas seine Garten-, Kunst- und Architektur-Bibliothek unterbringen will "l;Ich liebe die Türkei, besonders Istanbul"l;, schwärmt der 60jährige. . "l;Der Innengarten war eine ganz schwierige Sache"l;, erzählt Graf Douglas. Das ausschließlich private Refugium von etwa 60 Hektar Größe mit herrlichem Blick auf Bodman, Überlingen und die Hegauberge sollte Geborgenheit vermitteln und sich harmonisch in die umgebende Landschaft einbetten. Es sollte einen ländlich-leichten Charakter ausstrahlen, gleichzeitig aber eine gewisse Strenge haben. "l;Für dieses Gelände brauchten wir die beste Architektin der Welt"l;, macht Graf Douglas klar. Mit der Gestaltung wurde Großbritanniens Stararchitektin Arabella Lennox-Boyd beauftragt, zu deren Klientel auch der britische Hochadel gehört. Ihre Handschrift sind vor allem die formalen Strukturen, die dem grünen Paradies eine wohltuende Ordnung verleihen. Überall sind Mischbeete entstanden, die einzeln geplant werden und sich dann wie bei einem Patchworkteppich ineinanderfügen. Wegekreuze, runde und eckige Beete und ein großer runder Brunnen im Zentrum stehen in einem geometrischen Zusammenhang, eingerahmt mit immergrünen Buchshecken. Spektakuläre Pflanzenkombinationen aus dem ländlichen Repertoire und geschickte Farbauswahl bringen eine romantische Stimmung ins Spiel, die mitunter auch verhindert, dass die Anlage steif wirkt. Bei der Planung wurde natürlich auf eine möglichst ununterbrochene Blütenfolge über das Jahr hinweg geachtet, so dass der Garten zu jeder Jahreszeit ein neues Feuerwerk entfacht. Und überall plätschert es.. Eine Vielzahl lauschiger Ecken lädt ein, die Ruhe zu genießen, in frischen Düften von Kräutern, Rosen und Bauernblumen zu schwelgen, die sanften Lüfte und das Rauschen der Blätter zu spüren.. Für Leichtigkeit sorgen des Grafen liebste Dichter. Immer wieder - auch in den Wäldern auf dem Dauenberg - tauchen weiße Blechschilder auf mit Texten von Brentano, Eichendorff, Hölderlin, Hesse, Goethe oder Nietzsche. Beflügelt von Adalbert Stifters "l;Nachsommer"l; brachte sich das Ehepaar Douglas kräftig in die Gestaltung des Gartens ein. "l;Die Beschreibung der Natur in diesem Buch ist phantastisch"l;, so der Graf. Stifters Botschaft ist die Achtsamkeit, Wertschätzung, Würdigung und der Respekt vor der Schönheit des Einfachen. Verbunden damit die Erkenntnis, dass sich der Mensch, wo er sich in die Natur einfügt, aufgehoben fühlt. "l;Wir wollten der durch Industrie und Städtebau immer stärker zersiedelten Landschaft etwas zurückgeben und etwas erhalten von der außerordentlichen Schönheit, die uns hier umgibt"l;, schildert Graf Douglas. "l;Man darf nicht alles dem Staat überlassen"l;, mahnt er. Er versuche immer wieder in seinen Wäldern ein paar Hektar herauszunehmen, kleine Seen anzulegen und Biotope zu schaffen wie den Teich in seinem Garten, wo sich Forellen und Krebse tummeln. Er sorgt auch dafür, dass immer wieder an besonders idyllischen Fleckchen Bänke zum Verweilen einladen. "l;Ich möchte, dass die Menschen spüren, welches Geschenk die Natur ist."l; Noch etwas Gutes haben diese Gesten des Grafen: Auch wenn der Garten für die Öffentlichkeit verschlossen bleibt, kann der Spaziergänger erahnen, was das Paradies auf dem Dauenberg ausmacht: Seine Größe ist die schlichte Einfachheit. Es will bewahren, was Sinn macht. Marina Kupferschmid

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