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 Neue Geschichte

Ab 1991 geriet der Textilmarkt in Bedrängnis. Billiganbieter machten den deutschen Wäscheherstellern das Leben schwer. Produktionsverlagerung und die Schließung von Betrieben waren auch bei dem Traditionsunternehmen Schiesser in Radolfzell die Folge. 1994 kam es zur Entlassung der ersten 600 Mitarbeiter. Insgesamt wurden zwischen 1994 und 1999 sechs Betriebe mit rund 1500 Mitarbeitern geschlossen, darunter die Produktionsbetriebe in Engen, Stockach oder Radolfzell. In 1999 wurde die Produktion nach Griechenland und Tschechien verlagert.


Schiesser im Jahre 1965. In der dunkel erscheinenden Halle am linken
Bildrand sind heute das "seemaxx" und das Logistikzentrum untergebracht.
swb-Bild: Hesta

1999 war auch das Gründungsdatum der Hesta Immobilien GmbH. Ihre Aufgabe war es fortan, das Gelände zu entwickeln, zu sanieren und zu vermarkten. Dazu kaufte die Hesta den Großteil des Schiesserareals mit den leer stehenden Gebäuden. Lediglich das Hochregallager und der Versand sowie das Bürohaus (Office-Center) in der Schützenstraße, in dem die Hesta heute residiert, blieb im Besitz der Schiesser AG. Auch der Umbau der Energieversorgung (Dezentralisierung) des einstigen Schiesserareals und die Sanierung der Schiesser- Verwaltung gehörte zu den Aufgaben der Hesta.

Heute verwaltet die Hesta das Logistik- Center, den Jahrhundertbau und das »seemaxx« - sie sind alle im Besitz der Hesta. Bei Schiesser in Radolfzell arbeiten heute rund 700 Menschen. Im neuen Dienstleistungszentrum Jahrhundertbau arbeiten 150 Menschen, im Office- Center 70 Menschen, im »seemaxx« 100 Menschen und im Logistikzentrum arbeiten rund 100 Menschen. Verlorenen gegangene Arbeitsplätze wurden also zum Teil an anderer Stelle neu geschaffen.

Fast so alt wie das WOCHENBLATT ist die sogenannte »Saturn-Halle« - heute Heimat des »seemaxx« und des Logistik-Centers. Es war einst ein hochmodernes Produktionsgebäude, das 1965 in Betrieb ging. Der Hallenbau war einst als »größte Baustelle Südbadens« bezeichnet worden. Grund für den Bau der Halle war das rasante Wachstum der Schiesser AG. So arbeiteten 1950 1000 Beschäftigte bei Schiesser, 1957 waren es bereits 2900 Beschäftigtem in 1960 arbeiteten 3500 Menschen bei Schiesser und im Jahr 1964 wurde mit 4330 Mitarbeitern der Höchststand erreicht. Parallel dazu wurde die Kapazität der Produktion gesteigert: in 1960 wurden 120.000 Wäscheteile pro Tag gefertigt, in 1970 waren es 250.000 Wäscheteile pro Tag. Knapp 30 Jahre später wird am Standort Radolfzell und im Umland nicht mehr produziert. Geblieben ist die Firmenzentrale und Verwaltung, die Musternäherei, die Entwicklung, das Lager und der Versand.

Andrea Jagode