Porträt:
Sigrun Mattes
Sie
ist ihr eigenes Markenzeichen und beliebt zudem: Sigrun Mattes.
Ihre Bühnen haben sich gewandelt. Fastnachterin ist sie in
Langenstein, wenn der Alefanz- Abend ist und sie die Großkopfeten
ausmacht. Fastnacht ist im Konstanzer Konzil, wenn sie als Kuh
vom Land diesen ganzen Jahrmarkt der närrischen Eitelkeiten
allein durch ihre Rolle schon karikiert. Theater ist, wenn sie
mit ihrer Hegauer Mundartbühne 16 Jahre lang in der Kunsthalle
viele tausend Freunde der Muettersproch hierher anlockt. Theater
war aber auch, als sie ab 1991 in Beuren nach ihrem Narrenmutterabschied
Regie beim Theater führte. Sie wohnt in Beuren und sie lebt
in Beuren, eben auf dem Land. Heute sagt sie, dass ohne die Chance
damals in Beuren diese Mundartbühne so nie entstanden wäre.

Sigrun
Mattes hat viele Gesichter: Als Kuh vom Land trat
sie zuerst in Langenstein auf, bevor sie das Fernsehpublikum
im Konstanzer Konzil eroberte.
Sieben
Theaterstücke hat sie bis heute auch schon selber geschrieben.
Angefangen hatte sie mit einem Stück von Hans Flügel,
der eine typisch badische Familie beschrieben hat. Beim Singener
Stadtfest ist sie seit Jahren mit ihren kurzen Episoden ein Publikumsmagnet.
Und auch in diesem Jahr wird sie wieder im Alemannischen Dorf
beim WOCHENBLATT auftreten. Für 2008 plant sie wieder ein
großes Stück – und zwar in der Singener Stadthalle.
Drei Aufführungen sollen es an einem Wochenende sein. Sigrun
Mattes hat die Kunsthalle auf ihren Leib zugeschnitten empfunden.
Die Stadthalle ist größer – und für Laientheater
um eine Nummer größer. Die Bühne ist für
ihre Maßstäbe riesengroß, deshalb könnte
sie sich auch vorstellen, aus der ganzen Bühne einen Singener
Wochenmarkt mit allen Menschen, die sich dort treffen, zu machen.
Nicht
nur die Bühne ist weitaus größer sondern auch
viermal teurer. Damit ist sie beim Geld und dem Finanzamt. Ohne
ihren Ehemann Helmut, der zum kongenialen Organisator der Hegauer
Mundartbühne geworden ist, könnte sie sich die Arbeit
nicht vorstellen. Er nimmt ihr den ganzen Paragrafenkram ab.
Und
dann kommt das Thema der Entwicklung der Fastnacht und ihrer Vereine
auf den Tisch. Sie beklagt, dass die Zunftmeister und der engere
Kreis der Fastnachtsorganisatoren ein halbes Jahr mit diesem Ehrenamt
ausgelastet sind. Das Fröhlichsein und das Feiern miteinander
bleibe dabei auf der Strecke. Einen Wandel sieht Sigrun Mattes
auch bei der Funktion der Frauen in der Fastnacht: Immer mehr
drängen in die Narrenräte hinein. Da wachse plötzlich
auch der Neid untereinander. Das schade der Fastnacht insgesamt.
Zudem sei der Zeitaufwand für alle halt enorm gewachsen.
Dann
gibt es noch die andere Sigrun Mattes, die niemand fotografiert,
wenn sie im sozialen Bereich tätig ist. Sie geht zu Seniorengruppen
und in Heime, denn sie will Menschen für einige Augenblicke
einfach glücklich machen. Da erleben sie Menschen leibhaftig
als die Kuh vom Land, die sie sonst nur vom Fernsehen kennen.
Ob sie da im nächsten Jahr noch zu sehen sein wird, ist offen:
„Der Anruf kommt, wenn er kommt, kurz vor Weihnachten.“
Hans
Paul Lichtwald

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