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 Die Kultur für die Halbinsel

Porträt: Die Höri nutzt das Kapital der Vergangenheit für die Gegenwart

Es war eine schillernde Gesellschaft, die sich da in der Zeit innerer Emigration während des Dritten Reichs auf der Höri zusammengefunden hat. Große Namen der Deutschen Kunstgeschichte wie Otto Dix, Max Ackermann, Erich Heckel, Ferdinand Macketanz oder Helmut Macke, Walter Kaesbach erlebten auch Notjahre auf der Höri. Doch erst nahm Singen mit seiner Kunstausstellung mit der zweiten Generation der Höri Künstler wie Curth Georg Becker, Rudolf Stuckert, Walter Herzger, Rose-Marie Schnorrenberg bis in die frühen 70er Jahre diese berühmte Spur auf. Bis die Höri selbst begann, aus dieser reichen Geschichte Kapital zu schlagen, musste erst noch eine ganze Weile vergehen, denn die Höri musste erst mal nach der Kommunalreform 1974 zusammenwachsen. Und es bedurfte eines Rathaus-Neubaus in Gaienhofen, der den Weg frei machte für ein eigenes Museum auf der Halbinsel, mit der Gaienhofens Bürgermeister Helmut Hensler (Bürgermeister von 1974 bis 1998) sein Zeichen für eine neu erwachende Kulturlandschaft setzen konnte.


Hermann Hesse wurde zu einem Aushängeschild für das Kulturver-
mächtnis auf der Höri, das seit den 80er Jahren auch für einen sanften
Tourismus genutzt wird. Ihm zu Ehren wurde im Hesse-Jahr 2002 ein
Denkmal mit einer Plastik von Friedhelm Zilly vor dem Hermann-
Hesse-Höri-Museum gesetzt.

Nachdem Gaienhofen sein neues Rathaus baute, war der Weg frei, das einstige Ratund Schulhaus, für das schon 1968 ein ehemaliges landwirtschaftliches Anwesen umgebaut wurde, das künftige Höri-Museum neu zu gestalten. Das konnte 1988 eingeweiht werden und war einerseits eine Stätte der Dokumentation, ist aber bis heute auch ein Ort, der immer wieder über die Kunst den Verweis in die Gegenwart sucht. Denn inzwischen war gerade in den 80er Jahren eine neue Generation von Höri Künstlern, an ihrer Spitze mit Tom Leonhardt, erwachsen geworden.

Es gab da noch einen anderen Künstler, den Schriftsteller Hermann Hesse, der die Abgeschiedenheit der Halbinsel mit dem phänomenalen Ausblick auf den Bodensee und den Schweizer Seerücken für einige Jahre seines schriftstellerischen Schaffens nutzte. 1993 war die Gemeinde soweit, auch diesen zeitweiligen Mitbürger in ihr kulturelles Programm aufzunehmen. Das gleich gegenüber des Museums gelegene erste Wohnhaus Hesses, in dem der Dichter von 1904 bis 1907 lebte, wurde in das kulturelle Konzept einbezogen, im Paar mit dem Höri-Museum wurde daraus das Hermann-Hesse-Höri- Museum - ein sehr langes Wortgebildewelches seit kurzen nun auch durch das in Privatbesitz befindliche zweite Wohnhaus Hesses (1907-1912) mit seinem Hesse- Garten für Führungen offen steht.

Für ein weiteres wichtiges Kulturgut der Höri, dem einstigen Wohn- und Atelierhaus von Otto Dix, formierte sich Ende der 80er Jahre ein Verein, der 1991 das Otto-Dix-Haus eröffnen konnte, sich inzwischen finanziell gefestigt hat und in engagierter Arbeit immer wieder neue Verbindungen zwischen Otto Dix und anderen Künstlern in Ausstellungen vorzeigt. Seit drei Jahren ist die Galerie Kränzl auf der Höri in Horn präsent und erst seit kurzem gibt es auch die »Fabrik am See« in der ehemaligen Strumpffabrik, die sich der Kunstvermittlung mit verschiedenen Kursen angenommen hat. Die Kultur auf der Höri, mit weiteren Ausstellungen in Moos und in Öhningen, mit dem Museum Fischerhaus in Wangen und dem Veranstaltungsraum im Bootshaus Wangen, ist Wirtschaftsfaktor und Markenzeichen für einen kulturell orientierten Fremdenverkehr geworden, unterstreicht Sabine Giesler, die Leiterin des Kultur- und Gästebüros Gaienhofen, das in Sachen Marketing von dem Verein Untersee-Tourismus unterstützt wird, der seine Geschäftsstelle ebenfalls im Rathaus Gaienhofen hat und der mit speziellen Themenjahren hier auch kulturelle Schwerpunkte zu setzen vermag, die im Sinne eines »sanften Tourismus« unsere Region bereichern.

800 Gästebetten werden alleine in Gaienhofen gezählt, sie sind aber nur im August ausgebucht, sagt die Leiterin des Gästebüros. Um die Saison zu verlängern gibt es das ganze Jahr über Kunstkurse - sie wurden einst von der Dix- Schülerin Roberte Holly-Logeais mit ihrer einstigen Scheunengalerie ins Leben gerufen, als Magnet für ein spezielles Publikum, das diese Landschaft und sich selbst in vielfältiger Weise entdecken will. Die Hermann-Hesse-Tage Ende September, genießen in Literaturkreisen große Popularität und sind auch ganz einfach eine Saisonverlängerung auf der Höri, die durch viele Tagesangebote und Wanderungen ergänzt wird.

Die Höri, sie hat es geschafft, ein lohnendes Urlaubsziel zu werden, das auch dieser ganzen Region eine kulturelle Identität geben kann. Sie ist Kleinod geblieben, das ist das Schöne daran. In vielen Dingen ist auf der Höri noch Aufbauarbeit zu leisten.

Oliver Fiedler