Porträt:
Siegfried Müller
Sein
Glück im Leben war, dass die Maggi in Singen vor gut 40 Jahren
ein gutes, junges Team hatte, das miteinander groß wurde:
Siegfried Müller war am Ende seiner Laufbahn Chef über
den ganzen Lebensmittelmarkt in Deutschland. So schätzt er
selbst seinen Werdegang ein. 1980 war für ihn so ein Knackpunkt
in seiner Laufbahn, denn ohne Auslandsaufenthalt gab es keine
Chancen, in den Konzern in Frankfurt aufzusteigen. Also ging er
nach USA in die größte Fabrik des Konzerns dort, wo
er während zwei Jahren etwas ganz anderes kennenlernte. Von
der Maggi-Würze kam er zur Schokolade. Das sollte seinen
Weg prägen, denn von Schokolade und neuen Formen des Marktes
dafür, verstand er eine ganze Menge später in seiner
Laufbahn.

Siegfried
Müller wurde vor 40 Jahren Werksleiter in der Maggi in Singen.
swb-Bild:
Lichtwald
Heute
sagt er, die Amerikaner könnten halt keine Schokolade herstellen.
Das hat eben auch eine Menge mit Geschmack zu tun. Aber es gab
auch technische Varianten dazu. 100 Gramm wiegt eine Tafel Schokolade.
Die Amerikaner gaben immer ein Gramm mehr dazu, damit ja das Gewicht
eingehalten sei. Nicht klarzumachen sei ihnen gewesen, dass das
Durchschnittsgewicht von zehn Tafeln dies haben müsste. 700
000 Dollar war in dem Betrieb sein Veränderungsvorschlag
wert. So etwas durchzusetzen, war aber eine ganz andere Geschichte.
Siegfried Müller erlebte aber auch, wie variabel Arbeitsplätze
dort waren. Gab es in der nächsten Woche zu wenige Aufträge,
dann wurden jene, die nur kurz im Betrieb waren, entweder in andere
Betriebe versetzt oder blieben daheim.
Jeden
Freitag war Termin dafür. Hingenommen hätten dieses
System alle. Jeden November gab es die neuen Listen der Betriebszugehörigkeit.
Das war der wichtigste Termin für die Mitarbeiter im Jahr,
denn dann war klar, ob sie im nächsten Jahr Arbeit hätten
oder nicht. Im Staat New York war das üblich. Das hat ihn
geschockt. Dann kam Siegfried Müller nach Berlin, also in
die kulinarische Richtung zurück. Dort sollte eine Menge
investiert werden. Das sei eine tolle Aufgabe gewesen. Da habe
man oft mehr fremde Handwerker im Haus als eigene Leute gehabt.
Die Yes- Tortie-Anlage sei gebaut worden, Chocolate Chips seien
in seiner Zeit entwickelt worden und die Choco Crossies: »Wir
haben das ganze Werk auf den Kopf gestellt. « Und das habe
in den vier Jahren richtig Spaß gemacht.
Sein
Haus in Singen war in dieser Zeit vermietet, denn er hoffte auf
die Rückkehr. Ihm war aber klar: »Wenn man als Chef
irgendwo hinkommt und bewährt sich nicht, dann ist es halt
passiert.« 1986 hätte er fast schon in die Zentrale
nach Frankfurt gehen müssen, doch dann kam es anders. Für
den Singener Maggi- Betrieb passte damals kein anderer aus der
Führungsmannschaft. Zugleich lief der Mietvertrag seines
Hauses aus. Und so war es für ihn doppeltes Glück. Gleich
gab es die Grundsatzentscheidung in Singen: Bauen wir eine neue
Suppenmischerei? Der Grundsatzbeschluss wurde damals gefasst.
Es folgten eineinhalb Jahre Planung, dann kam die Anlage ins Budget.
Genau
1989 ging die Anlage in Betrieb, als die Wiedervereinigung kam.
»Sonst hätten wir das Gebiet der ehemaligen DDR nie
beliefern können«, bilanziert Müller heute. Für
das Singener Werk war es ein Glücksfall. Kemptal lag damals
in der Nachbarschaft, in Lienz gab es den neuen Betrieb, doch
für Singen war es die Entscheidung für die Zukunft.
Das Glück für Singen war später, dass Kemptal geschlossen
wurde. Damit war das PTC praktisch heimatlos. Damals war Müller
schon wieder in Frankfurt und für den ganzen Nestlé-Bereich
zuständig. Das PTC kam nach Singen und ein Kreis schloss
sich. Siegfried Müller kann auf ein erfolgreiches Lebenswerk
blicken. Er konnte auch im Management den Nachwuchs fördern
und selbst zum richtigen Singener werden.
Hans
Paul Lichtwald
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