Porträt:
Dr. Karl Glunk übder Schule und Erziehung
»Zwei
grundlegende Veränderungen haben in den letzten 40 Jahren
in der Schullandschaft stattgefunden«, erzählt der
Alt- Rektor des Singener Hegau-Gymnasiums Dr. Karl Glunk. Zum
ersten gab es den Einbruch der 1968er Ideen, das war ein gesellschaftlicher
Prozess, der auch in die Schule hineingetragen wurde. Als zweites
in den Gymnasien die Oberstufenreform, die den Schulalltag Ende
der Siebziger/Anfang der Achtziger grundlegend veränderte.
Diese Reform gilt mit Veränderungen noch bis heute. Je nach
Bundesland verschieden hatte die Reform eine Verschlechterung
der Allgemeinbildung zur Folge. In Hessen zum Beispiel wurde Deutsch
als Abiturfach aus dem Plan genommen. Die Diskussion über
die Frage der Disziplin begann mit dem Entstehen der 1968er Bewegung.
Dr. Karl Glunk war zu dieser Zeit schon Rektor in Singen. Das
Kernziel damals war die Allgemeine Hochschulreife. Die Wege dahin
haben sich verändert. »Als Folge der 1968er Generation
hatte man damals versucht, die Schüler aus den autoritären
Zwängen von Schule, Elternhaus und Gesellschaft zu befreien«,
erinnert sich Karl Glunk. »In unserer provinziellen Gegend
gab es böse Verwerfungen. Die Mehrheit der Eltern war konservativ,
da gab es viele Reibungspunkte. Das war teils dramatisch, teils
kurios«.

Dr.
Karl Glunk hat auch heute noch Kontakt zu Schülern. swb-Bild:
frö
Der
Alt-Rektor sieht bei der früheren Generation eine bessere
und fundiertere Allgemeinbildung. Aufgrund der damaligen Schulstruktur,
aber auch weil der Unterricht das Pauken mit beinhaltet hat. Pauken
im positiven Sinne gemeint. »Gedichte auswendig lernen zu
lassen, war für mich immer wichtig«, erzählt Glunk.
»Auch wenn ich dafür belächelt wurde.« Die
Schüler wurden zu dieser Zeit mehr gefordert und damit gefördert.
Heute ist manches in die Beliebigkeit der Schüler gestellt.
Pisa
stellt den deutschen Schülern ein schlechtes Zeugnis aus.
Am Hegau-Gymnassium gab es einen intensiven Kontakt zu Frankreich.
Sprachen und Allgemeinbildung wurden besonders geschult. Das deutsche
Schulsystem war zum Beispiel dem amerikanischen Standard hoch
überlegen. Austauschschüler haben die Disziplin hoch
geschätzt. Deutsche Kinder hatten am Nachmittag immer noch
Zeit für Musisches oder Sport.
Glunk
erinnert sich an Highlights seiner Amtszeit. »Ein besonderes
Erlebnis waren die Aufführungen von Chor und Orchester. Und
die Theaterstücke, die wir mit den Schülern gespielt
hatten. Hämmerle und Hepp haben bei uns ihre Theaterkarriere
begonnen. Wenn man eine Klasse einige Jahre bemuttert hat, und
dann das Abitur überreichen kann, das waren immer große
Momente.« Das Verhältnis eines Rektors zu den Lehrern
und den Eltern kann auch schwierig sein. Glunk musste oft agieren
und reagieren, um Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.
Mit einer sinnvollen Freizeitgestaltung kann man vieles auffangen.
Oft
wurde und wird die Ausbildung der Lehrer diskutiert. Früher
sei es nicht schlechter gewesen, sagt Glunk. Die Referendarsausbildung
ist mehr an die Schulen verlagert worden. Es wird nicht mehr theoretisiert,
Glunk würde den Referendaren mehr die Möglichkeit der
persönlichen Entfaltung einräumen. Natürlich gehört
auch für Schüler unangenehmes Pauken dazu. Aber eben
nicht alles stur nach Plan. Die 1968er Zeit war auch Thema an
der Schule damals. Große Koalition und kalter Krieg wurden
in die Schule mit hineingetragen. Glunk selbst hat als Lehrer
vor den Schülern eine Rede über den Aufstand in der
DDR gehalten. Auch zum Jahrestag der Kapitulation hatte der noch
junge Pädagoge gesprochen. Glunk hat auch heute einen guten
Draht zur Jugend über seine Enkel oder durch die vielen Klassentreffen,
an denenn er heute noch teilnimmt.
Ein
Rezept für die heutigen Lehrer? »Als allererstes müssen
die Lehrer die Kinder lieben, das heißt aber nicht, sie
zu verwöhnen. Die Kinder muss man fordern, wenn man sie mag
und dadurch fördern. Kinder müssen die Freude an der
Arbeit finden. Insofern ist Gedichte auswendiglernen immer noch
ein gutes pädagogisches Mittel.
Johannes
Fröhlich
|