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 Ein Schwimmbad aus Bürgerhand

Porträt: Walter Geiger - ein Mann der ersten Stunde

Einige Wasserratten konnten es gar nicht mehr abwarten und sprangen schon während der Eröffnungsfeier ins nagelneue Becken. Das war genau am 13. Mai vor 40 Jahren in Engen, als das Ergebnis einer einmaligen Bürgerinitiative eingeweiht wurde: Das Schwimmbad.

Walter Geiger erinnert sich noch genau, wie damals die Schwimmbadidee geboren wurde. Um in der Gemeinde politisch etwas zu bewegen, wurde 1962 die Unabhängige Wählervereinigung aus der Taufe gehoben. Diese junge Gruppe wollte man populär machen und warb mit dem Bau eines Schwimmbades. Also wurde ein Schwimmbadförderverein gegründet, der dann aber die breite Basis der Bevölkerung ansprach und über die parteipolitische Grenze hinaus reichte. Zu den Männern der ersten Stunde zählten neben Walter Geiger auch Otto Riede (2. Vorsitzender), Arno Bräcklein, Josef Fritschi, Karl King und Arthur Steiner. Mit einem Obolus von je 500 DM schafften sich die Gründungsmitglieder einen finanziellen Grundstock von 5 000 Mark, der schnell anwuchs.

Da es mit fördern allein nicht getan war und die Stadt damals kein Geld für den Bau eines Schwimmbades hatte, gründete man flugs den Schwimmbadbauverein. »Das war ein Novum«, erinnert sich Walter Geiger, »dass Bürger in Eigeninitiative ein Schwimmbad bauen«. Entsprechend wurde dieses mutige Vorhaben von allen Seiten unterstützt, als 1964 mit dem Bau begonnen wurde: das Regierungspräsidium Freiburg bewilligte 80 000 Mark, weitere 150 000 Mark an Zuschüssen kamen hinzu, die Stadt verlegte Leitungen und gestaltete Parkplätze im Wert von 85 000 Mark und zahlreiche Firmen erbrachten Sachleistungen für rund 127 000 Mark. Hinzu kamen die Eigenmittel des Vereins von 65 000 Mark, der zudem eine Bürgschaft über 100 000 Mark aufnahm. Insgesamt beliefen sich die Kosten für das Bad auf 580 000 Mark - ein stolze Summe zur damaligen Zeit. Und die musste erst einmal aufgebracht werden. Spenden von Bürgern und örtlichen Firmen flossen von einer Mark bis 3 000 Mark und zahlreiche Engener verbrachten ihre Freizeit auf der Schwimmbadbaustelle, um mitanzupacken. »Die Unterstützung war enorm. Handwerker, Firmen und Bürger - alle halfen mit«, staunt Walter Geiger heute noch über diese Welle an Hilfsbereitschaft, die über den Hegau schwappte. Kein Wunder wurde das Ergebnis am 13. Mai 1967 mit einem großen Fest gefeiert. Die Stadtmusik spielte auf, zahlreiche Bürgermeister der umliegenden Gemeinden stießen auf das neue Bad an und natürlich all die Wasserratten, die mit Vergnügen ihr neues Schwimmbad in Besitz nahmen.

Das bestand damals bereits aus einem großen Schwimmbecken mit Nichtschwimmerbereich, einem tiefen Sprungbecken für die beiden Türme, einem Kinderbereich, Kiosk und Umkleidekabinen. Und es war beheizt. »Für damals war ein beheiztes Schwimmbad etwas ganz besonderes «, erinnert sich der 79-jährige begeisterte Schwimmer.

In den ersten Jahren konnte das Engener Schwimmbad kostendeckend betrieben werden. Mit Einnnahmen aus Eintritt und Kioskpacht konnte die Bürgschaft beglichen werden und als erster Bademeister schaute Karl Kling nach dem rechten. Nach 20 Jahren stand dann die erste Sanierung an. Eine Solaranlage wurde errichtet, der Technikbereich erneuert, die Beckenlandschaft umgestaltet und durch eine Riesenrutsche samt Strömungskanal ergänzt. Insgesamt drei Millionen Euro kostete die Sanierung. Nun wurde der 40. Geburtstag des Engener Erlebnisbades gefeiert. Mit viel Musik, Spiel und Spaß. Und mit vielen Wasserratten, die mit genauso viel Begeisterung in ihr Bad hüpfen wie vor 40 Jahren. Und das zeigt Walter Geiger: »Es hat sich gelohnt, damals«.

Ute Mucha

 

 

 


Walter Geiger, begeisterter Schwimmer und Mitbegründer des Schwimmbad-fördervereins Engen: »Der Schwimmbadbau hat sich für uns alle gelohnt«. swb-Bild: mu

 

 

 

 


Walter Geiger, begeisterter Schwimmer und Mitbegründer des Schwimmbadfördervereins Engen: »Der Schwimmbadbau hat sich für uns alle gelohnt«. swb-Bild: mu