Porträt:
Dr. Artur Sauter, ein Kämpfer für die Innenstadt
Bereits
1958 übernahm Dr. Artur Sauter die Apotheke Sauter von seinem
Vater, zu der damals schon ein Fotogeschäft und eine Drogerie
gehörten, die inzwischen als Parfümerie umgestaltet
wurden. Dr. Artur Sauter war indes nie nur Apotheker, sondern
engagierte sich bald im Einzelhandelsverband, deren Ortsvereinsvorsitzender
er von 1976 bis 1998 war. Und bis heute ist er Kämpfer für
eine lebende Innenstadt geblieben, die manche Impulse von ihm
erhalten hat.

Die August-Ruf-Straße war ein Kernpunkt für
die erfolgreiche Einkaufsstadt Singen. Sie
konnte mit einer Bärenparade 2004 ihr 20-jähriges Bestehen
feiern 40 40 Dr. Artur Sauter
Frage:
Herr Dr. Sauter, sie waren ein Apotheker
aus Leidenschaft, wann begann ihre Leidenschaft für die Singener
Innenstadt?
Dr. Sauter: Schon in den 60er Jahren gab es damals
noch unter dem OB Theopont Diez die Diskussion und Fragen, wie
unsere Stadt funktionieren soll. Damals war es immer noch die
autogerechte Stadt. Und es gab die Hoffnung, dass Singen bis zu
60.000 Einwohnern bekommt. Da zählten erst mal Verkehrskonzepte.
Für mich war schon immer klar, dass mein Geschäft nicht
an der Ladentüre aufhört sondern dass das Umfeld entscheidend
ist für jeden hier in der Innenstadt. Als ich dann 1976 Einzelhandelsverbandsvorsitzender
in Singen wurde, war klar, dass ich mich sofort einbringen musste
in die Vorgänge der Stadträte. Man hat damals nicht
geschaut, was andere machen, sondern sich selbst vom Stand Null
aus Gedanken gemacht. Das hat uns Angst gemacht. Ich habe dann
ein großes Gutachten in die Wege geleitet. Das war damals
teuer, die Stadt hat sich daran beteiligt. Dieses Gutachten hat
alles durchgeprüft, aus der Analyse wurden die entsprechenden
Beschlüsse gefasst und so kam das erste Innenstadtkonzept
1983 zum Beschluss. Sie dieser Zeit haben wir eine Innenstadt
mit innerem Ring, mit Fußgängerzonen, mit Ekkehardstraße
und Querverbindungen und mit Parkhäusern.
Frage:
Dieses Innenstadtkonzept wurde bislang
nicht wesentlich weiter entwickelt.
Dr. Sauter: Man hat uns in letzter Zeit immer
wieder vorgeworfen, wir würden aus der Hand planen. Aber
wir haben ein Konzept, vom dem kann man auch Teile nach und nach
entwickeln. Das Innenstadtkonzept, das sind jetzt gerade mal 25
Jahre, das war unser Ausgangspunkt und war erfolgreich. Es wurde
ergänzt durch das Märktekonzept, das das Verhältnis
zur Südstadt in der Festlegung der Sortimente festlegte.
Dieses Märktekonzept wird inzwischen in ganz Südbaden
fast durchgängig praktiziert. Es hat einfach eine Planungssicherheit
für Investitionen gegeben. So sind in der Innenstadt Rieseninvestitionen
entstanden, ob dies Heikorn oder Zinser waren, und wir sind auch
immer am Bauen gewesen. Jetzt haben wir seit ungefähr acht
Jahren eine Stagnation in der Nachfrage und in der Nachbarschaft
wurde nachgezogen. Jetzt spüren wir, dass sich etwas verändern
muss, aber wir können das Innenstadtkonzept nicht einfach
beiseite legen. Das ist nach wie vor der Ausgangspunkt und wir
können und müssen es weiter entwickeln. Das ist jetzt
nur die Frage, wie das geschieht. Kein Geschäftsmann würde
seinen Laden umbauen ohne Fachleute zu Rate zu ziehen, das geht
in der Stadt genauso wenig.
Frage:
Wie viel Ahnung vom Handel haben
die lokalen Politiker?
Dr. Sauter: für mich ist wichtig, dass sich
die Stadt Singen die Planungshoheit nicht aus der Hand nehmen
lässt. Die Entscheidung fällt der Gemeinderat, aber
die Betroffenen müssen sich einbringen können.
Frage:
Wie stark trägt diese Stadt
ihre Handschrift? Wenn man so hört, sind Sie ja Mitverursacher
der Fußgängerzone, die 2004 ihr 20-jähriges Bestehen
feiern konnte.
Dr. Sauter: ich war immer ein Kämpfer für
diese Innenstadt. Meine Stadt trägt meine Handschrift wo,
es den Gemeinderäten möglich war zu vermitteln, was
anderswo ist, wie etwas andere Städte erfolgreich machen.
Es geht oft um Kleinigkeiten wie Lampen oder Niederbordsteine.
Die Pflasterung der Innenstadt sollte zunächst aus Porphyr
sein, das haben wir nicht wollen. Da haben wir schon gekämpft.
Ich habe über Jahre mein eigenes Geschäft hintenan gestellt.
Die Oberbürgermeister ließen uns in die Bauausschüsse
hinein, wo wir uns auch einbringen konnten. So ist es gelungen,
Einfluss zu nehmen. Am Schluss einer Entscheidung steht immer
der Mensch selbst, der muss einen Nutzen davon haben.
Frage:
In den frühen 70er Jahren wurde
der Handel mit seinen Aktionen noch gerne belächelt in der
Öffentlichkeit. Was hat sich da geändert?
Dr. Sauter: Gottseidank hat sich da ein Bedeutungswandel
vollzogen. Man hat erkannt, dass wir, wenn wir eine Entwicklung
wie in den USA vollziehen würden, große Einkaufszentren
auf der grünen Wiese hätten und die Städte gingen
kaputt. Wir in Deutschland wollen das nicht. Die Stadt ist der
Kommunikationspunkt der Menschen geworden. Es kommen Menschen
zu uns, die wollen mit uns sprechen. Diesen Bedarf erfüllen
wir. Wir fordern nicht den Schutz der Geschäfte, wir fordern,
dass man die Strukturen schützt.
Oliver
Fiedler
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